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„Der Suchmaschinen-Primus" „Google“ geht auf Konfrontationskurs mit Peking“; schrieb die Kölnische Rundschau am 24.03.2010 und knüpft damit nach längerer Zeit wieder an den Konflikt des Weltkonzerns mit der chinesischen Regierung an. Denn „Google“ veröffentlicht derzeit eine unzensierte Version der Suchmaschine über die Plattform in Hongkong, die regimekritische Internetseiten bezüglich des gegenwärtigen Einparteiensystems gegen die Zustimmung der chinesischen Regierung zeigt. Benutzer Chinas, die die ehemalig zensierte Seite des Landes aufrufen, werden automatisch auf die unzensierte Seite weitergeleitet. Zu den bislang zensierten Internetbeiträgen zählten ungefähr 100 000 Seiten. Sie enthalten neben pornographischen Inhalten auch Beiträge von Menschenrechtsgruppen und politisch schlechte Einträge, wie die blutige Niederschlagung des Aufstands 1989 auf dem Platz des himmlischen Friedens.
Ausgelöst wurde dieser Zustand durch einen Hackerangriff chinesischer Internet-Spione im Januar auf E-Mail-Konten von Menschenrechtlern des Weltkonzerns und durch Diebstahl von Programminformationen. Mit der Veröffentlichung der neuen Version von „Google“ riskiert der Konzern den Rauswurf aus China. Zurzeit ist der Absatz auf dem chinesischen Markt eher mager und für die Firma wären die mit dem Rücktritt aus China verbundenen Verluste zu verkraften. Doch Experten vermuten eine explosionsartige Vergrößerung des Marktes in den kommenden zehn Jahren, bei dem „Google“ enorme Einnahmen erzielen und das Jahresgehalt so aufstocken könnte.
Die Geste dieser Aktion ist klar: „Google“ würde seinem Motto gerecht, welches sie bei der Gründung der Suchmaschine vor zehn Jahren benutzten:“Don´t be evil!“(sei nicht böse). Es appelliert an Unternehmensentscheidungen, bei denen nicht nur auf größtmöglichen Profit, sondern ebenfalls auf Moral und Ethik geachtet werden soll. Nach zehn Jahren wird „Google“ also erstmals auf die Probe gestellt und hält sich an sein Motto, was durchaus lobenswert ist und Mut verlangt.
Viele Bürger der Republik sind von „Google“ begeistert und bejahen den unzensierten Zustand der Suchmaschine, die mittlerweile zugänglich ist. Sie begrüßen diesen Schritt, der die Menschenrechte in China ungemein voranbringt. Nach der Drohung der chinesischen Regierung, den Internetriesen aus China „auszusperren“, legten sogar einige Menschen Blumen vor das Firmengebäude, um dem Konzern seine Loyalität zu beweisen. Bislang wurden Menschenrechtler und Demokraten, die dem Einparteiensystem Chinas widersprachen, bestraft. Zudem gibt die Regierung Unmengen Geld für ein zensiertes Internet aus, um regimekritische Einflüsse von Außen zu vermeiden und die Republik politisch abzuschirmen. Vielleicht hoffen die Bürger, würde durch die öffentliche Kritik endlich etwas gegen ihre derzeitig schlechte Lage passieren und, im Gegensatz zu den gescheiterten Protesten gegen das Staatssystem im Jahr 2008, während der Olympischen Spiele in Peking, das Regime gestürzt und ein anderes Staatssystem entsteht, bei dem Presse- und Meinungsfreiheit zu den Grundrechten eines jeden Menschen gehört.
Folglich beweist „Google“ Mut, indem sich der Suchmaschinenanbieter gegen eine Republik stellt und sich für Menschenrechte einsetzt. Außerdem gibt der Konzern vielen Menschen Mut, die auf ein besseres Leben in ihrer Heimat hoffen und jede Hilfe dankend annehmen. Zudem macht „Google“ durch weltweite Schlagzeilen auf die kritischen Zustände in China aufmerksam und trägt zur Aufklärung vieler Menschen bezüglich der Geschehnisse in der Republik bei. Ob der Internetriese letztlich mehr Erfolg dabei hat als 2008 bei den Olympischen Spielen, ist fraglich und hängt ohne Zweifel an weiteren Konzernen und Menschen, die sich der Zensur in China entziehen und nicht nur zusehen, sondern etwas für das Wohl vieler Menschen unternehmen.
Ellen Schwarz

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